Kolbenfresser

OHNE GEWISSENSBISSE

ALTE GEDANKEN ANDERS GEDACHT

Letztens war ich mit einem Cochee unterwegs. An der Elbe. Ein Traum wurde wahr für den Cochee. Früher hätte er sich das nie erlaubt, mitten in der Woche frei zu machen. Einfach mal nur zum Vergnügen an den Elbestrand und einen schönen Tag machen. Undenkbar! Und nun auf einmal geht das. Ohne Gewissensbisse. Und es fühlt sich so richtig gut an. Lädt den Akku auf. Macht Raum für andere Gedanken. Lässt neue, kreative Gedanken zu. “Probleme” werden zu Legosteinen; was kann ich daraus schönes bauen. Und drauf los bauen. Gucken was passiert. Neue Wege gehen. Bekanntes anders anwenden. Und schon ist aus diesem, früher undenkbarem, Verhalten ein toller, erfolgreicher, atemberaubend, anderer Tag geworden als je erwartet.

BEOBACHTUNG AUF DER ELBE

Da saßen wir nun an der Elbe. Die Sonne schien, es war angenehm warm. Schiffe fuhren vorüber. Eine Fähre legt an, viele Menschen steigen aus, der Lärmpegel steigt kurz an, um kurz darauf wieder abzusinken. Kurz gesagt, ein wundervoller Tag. Zum Genießen.

Da sehe ich, wie ein kleines Boot mit Außenbordmotor sich die Elbe hinab quält. Die Flut drückt das Wasser Richtung Hamburg. Dem Motor höre ich deutlich an, es geht schwer. Er gibt alles was möglich ist. Doch seine Kräfte reichen nicht aus, um das kleine Boot etwas schneller zu bewegen. Da nützt es herzlich wenig, dass der “Kapitän” etwas energischer am Gasgriff dreht. Der Motor ist schon weit über seine Leistungsgrenze hinaus.

Vor meinem geistigen Auge erscheinen Menschen aus meinem weiteren Umfeld, bei denen ich ein ähnliches Verhalten bemerke. Der innere Motor kreischt quasi laut auf, weil alles viel zu schwer geht. Doch der Mensch dreht weiter mit aller Kraft am Gashebel. Will immer mehr Leistung aus dem zu kleinen Motor pressen. Überhört alle Warnzeichen. Augen zu und durch. Hat ja immer irgendwie geklappt… Der Motor läuft heiß. Der letzte Ölwechsel ist schon lange her. Keine Zeit, zu teuer, das wird noch eine Weile so gehen. Irgendwann, wenn es ruhiger ist, dann machen wir den lange fälligen Ölwechsel. Doch bei den meisten ist irgendwann nie.

AUSGEBRANNT

Das Ende kommt schneller als erwartet. Das Öl, alt und verbraucht wie es ist, wird heißer als je zuvor. Es hat keine Reserven mehr. Der Ölfilm reißt. Der Kolben wird so heiß, er schmilzt und verbindet sich wie beim Schweißen mit der Zylinderlaufwand. Kolbenfresser heißt das Fachwort dafür. Wenn es ganz schlimm ist, steckt er dazu noch die Knochen raus. Eine Pleulstange reißt und durchbricht das Kurbelgehäuse.

EXITUS!

Das war es dann. Adieu Welt. Irgendwann ist aus…

Das Ende!

„Es bedarf nur eines Anfangs, dann erledigt sich das Übrige.“
—  Sallust

WAS BIST DU DIR WERT

Stell Dir vor, Du hast Dir einen richtig guten Motor geleistet. Er ist mehr als stark genug für die Belastungen, die Du ihm gibst. Er läuft in der genau richtigen Drehzahl. Hat mehr als genug Reserven, falls es unerwartet einmal etwas schwere geht. Du pflegst ihn regelmäßig. Nur das beste Öl ist dir gut genug. Er wird regelmäßig von einem richtig gutem Mechaniker gewartet. Der etwas von seinem Handwerk versteht. Wenn er der Meinung ist, die Einspritzdüsen sollen dieses Mal mit überprüft werden, ist Deine Antwort: “ja bitte, mach das doch gleich mit. Dann bin ich sicher, er wird brummen wie eine Eins.”

In diesem Falle bist Du einer der wenigen Menschen, die sich alles Wert sind. Die erkennen, je besser es mir geht, desto besser mache ich meine Arbeit. Falls Du es dann noch als Arbeit empfinden wirst. Die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch, es ist keine Arbeit mehr. Es macht einfach nur noch Spaß das zu tun, was Du tust. Und es wird immer besser und schöner.

ERFOLGREICHE MENSCHEN SIND SICH ALLES WERT

Sie achten auf sich. Sind bereit, Seminare zu besuchen um Neues zu lernen. Auf anderen Gebieten als sie gewohnt sind. Wollen neue Gedanken denken. Wollen sich verändern, denn wissen, das ganze Leben ist Veränderung. Finden diese Veränderung spannend und genießen sie. Erlauben sich die Veränderung. Sind zufrieden mit sich und dem was sie machen.

Und Du so?